Das Weingut

Tesch Wein
 
Kaum ein Winzer in Deutschland ist so kompromisslos, nur wenige treten so offensiv auch öffentlich für ihre Überzeugungen ein. Martin Tesch von der Nahe ist direkt, klar und markig – so sind auch seine Weine. Allesamt trocken und zu 100% auf den Ausdruck von Terroir ausgelegt, begeistern sie mit der reinen Wucht ihrer Rebsorte.

Heute ist Martin Tesch allseits bekannt in der deutschen Weinlandschaft, doch hat er sich diesen  Status hart erarbeiten müssen. Mit 29 Jahren übernahm er 1997 die Weingutsgeschäfte von seinem Vater und änderte faktisch fast alles. Zuerst wurde gnadenlos die knappe Hälfte der Weinberge stillgelegt. Martin Tesch konzentrierte sich nur noch auf die besten Lagen, in denen zum allergrößten Teil Riesling wächst. Königsschild, Löhrer Berg, Krone, Karthäuser und St. Remigiusberg sind aber nicht nur klangvolle Namen, sondern begeistern auch mit großer Bodenvielfalt und unterschiedlichster Ausrichtung und Hanglage.

In der Folge sanken die Erträge, stiegen der Anspruch, die Qualität und damit auch der Preis. Auch der konsequente Fokus auf trockene Weine war ein kompromissloser Schritt. Die erste Folge waren erboste Kunden und eine lange Durststrecke. Viele klassische Tesch-Käufer konnten mit dem neuen Stil nicht viel anfangen. Jede Abkehr von der bisherigen Tradition war für sie ein Frevel und so brachen Martin Tesch ganze Kundengruppen weg. Jetzt wurde Tesch richtig bewusst, wie konservativ und innovationsresistent die Weinwelt sein kann.

Dass „konservativ“ ganz sicher kein Attribut von Martin Tesch ist, bewies er in den folgenden Jahren. Seine Lagenweine kategorisierte er pragmatisch mit knallbunten Farben, stellte 2005 konsequent auf Stelvin-Cap-Schraubverschlüsse um, reduzierte die Menge der gekelterten Weine und brachte mit dem Riesling „unplugged“ einen Wein heraus, der ganz seine Philosophie verkörperte.

Unplugged steht in der Musikszene für Aufführungen ohne großes teschnisches „Tam-Tam“, ohne riesige Boxen und muskelprotzige Verstärker. Unplugged ist die hohe Kunst sich auf das Wesentliche zu besinnen und in dieser Konsequenz dann auch für eine kleinere Gruppe von Menschen zu spielen. Bereits der Name kostete Tesch so manchen alteingesessenen Kunden, doch der Winzer blieb sich und seinem Plan treu und ruderte nicht zurück.

Letztlich fand er mit den „Toten Hosen“ einen Partner, der seinen Musikgeschmack ebenso teilte wie seinen Stil. So wurden mit Riesling „Unplugged“ und dem Toten Hosen Wein „Weisses Rauschen“ gleich zwei Tesch-Kreationen fest in der Rockwelt etabliert. Ihnen folgten Abfüllungen für das Metal-Festival Wacken und das Hard Rock Café.

Mittlerweile hat Tesch wieder 19 Hektar in der Bewirtschaftung. Auch seine Kundschaft hat sich weiter mit ihm gewandelt und seine Weine finden weltweit Beachtung. Sein konsequenter Verzicht auf die Anreicherung der Moste mit Zucker oder die Konzentration der selbigen hat seinen Stil entscheidend geprägt. Die größte Ehrung war schließlich die Ernennung zu „Winzer des Jahres 2012“, die Tesch von der Frankfurter Allgemeinen und dem Weinkritiker Stuart Pigott verliehen wurde.

Überhaupt ist Pigott, der entgegen dem Trend seine verkosteten Weine nicht in ein Punkteschema presst, ein großer Fan von Martin Teschs Weinen. Mit ihrem puren Terroir-Charakter sind sie definitiv ein Erlebnis. Am Ende einer Verkostung in New York stellte Pigott daher im Juni 2014 fest: „The question was no longer whether to Tesch or not to Tesch, but how to Tesch and when to Tesch.” – Die Frage ist also nicht mehr ob man “teschen” sollte oder nicht, sondern viel mehr wie man “tescht” und wann.